Übergabe des Goldenen Benito an Renzo Caramaschi


Bozner Bürgermeister zerschlägt die Plastik

Vertreter der Bozner Ortsgruppe der Süd-Tiroler Freiheit und der ehemalige Bozner Vizebürgermeister Oswald Ellecosta sowie die ehemalige Landtagsabgeordnete Eva Klotz haben heute dem Bozner Bürgermeister Renzo Caramaschi den Goldenen Benito überreicht.

Diesen Negativpreis erhält Caramaschi, so die Süd-Tiroler Freiheit in ihrer „Laudatio“, „für seine Beihilfe zur Förderung einer positiven faschistischen Erinnerungskultur in Südtirol und Italien“. Auf dem Podest der 50 cm hohen Duce-Skulptur wurde – in Anspielung auf die durch den Holocaust-Gedenktag veranlasste Internetaktion „I remember“ – ein Etikett mit dem Satz „remember all fascisms!“ aufgeklebt.

Auch Caramaschi hatte sich an der Aktion der Erinnerung an den Holocaust beteiligt. Doch die Süd-Tiroler Freiheit wirft dem Bozner Bürgermeister in diesem Zusammenhang „Zweigleisigkeit und Unglaubwürdigkeit“ vor. Cristian Kollmann, der Bozner Ortssprecher der Süd-Tiroler Freiheit, erklärt: „Wenn Caramaschi auf der einen Seite des Holocausts gedenkt, doch auf der anderen Seite Denkmäler des Faschismus reaktiviert, missbraucht er den Holocaust, um sich hinter diesem zu verstecken und vom italienischen Faschismus, der staatstragend ist und in die Gegenwart hereinstrahlt, abzulenken! Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass der Nationalsozialismus nicht aufgearbeitet sei, und aber Italien und besonders Bozen in Sachen Faschismus mit sich im Reinen sei – gerade so, als ob der Faschismus endgültig der Vergangenheit angehören würde! Genau das Gegenteil ist der Fall: Indem Caramaschi Duplikate des Markuslöwen und der römischen Wölfin auf die Säulen gegenüber dem so genannten Siegesdenkmal zurückhieven will, fördert er eine scheinbar positive Kultur der Erinnerung an den Faschismus und will diesen als ‚Faschismus light‘, als ‚Pazifaschismus‘ relativieren und zukunftstauglich machen!“

Der Vizebürgemeister Christoph Baur (SVP) hatte sich bei der Abstimmung der Stimme enthalten, und bekam daher als Anerkennung den „Kleinen Feigling“ überreicht.
Kollmann hatte gegen den Beschluss des Bozner Stadtrates zur Wiederanbringung der beiden faschistischen Skulpturen Einspruch erhoben. Dieser wurde jedoch vom Stadtrat abgelehnt mit der Begründung, dass die Anbringung der Duplikate „auf den kunsthistorischen Stellenwert der beiden Skulpturen zurückzuführen“ sei. „Faschismus ist keine Kunst, sondern ein Verbrechen und eine Demütigung all jener, die nicht mitlaufen!“, hält Kollmann dagegen. Auch hat er eine Eingabe beim Rechnungshof hinterlegt und ihn gebeten zu prüfen, ob vor dem Steuerzahler die Ausgabe von 30.000 Euro für diese umstrittene Maßnahme gerechtfertigt ist. Eine Stellungnahme des Rechnungshofes steht noch aus.

Die Entwicklung insgesamt im Umgang mit dem Faschismus in Bozen findet die Süd-Tiroler Freiheit höchst besorgniserregend: „Eine positive faschistische Erinnerungskultur wie in Bozen wäre für Deutschland undenkbar, und wir sind froh darüber! Doch was in unserer Stadt gerade passiert, ist ungeheuerlich! Es sieht so aus, als ob zum neuerlichen Aufstieg des Faschismus in Europa der italienische Faschismus wieder entscheidend beiträgt und dieser erneut in Bozen seinen Ausgang nimmt. Remember: 1922 fand in Bozen die Generalprobe der Faschisten für ihren Marsch auf Bozen zur Errichtung einer von Benito Mussolini geführten rechtsradikalen Diktatur in Italien statt! Eine moderne rechtsextreme Partei wie CasaPound ist heute nur schmückendes Beiwerk, denn das Geschäft der Faschisten erledigen bereits die Mitte-links-grünen Verharmloser und Relativierer, die unter dem Deckmantel der Antifaschisten daherkommen. Es ist ein beschämendes Armutszeugnis, wenn unseren italienischen Mitbürgern immer wieder unterstellt wird, dass sie ihre kulturelle Identität u.a. auch aus den faschistischen Relikten schöpfen müssten. Dies hat eine so bedeutende Kulturnation wie Italien überhaupt nicht nötig! Aus unserer tiefsten Überzeugung, dass der Faschismus niemals ein Kulturgut, sondern ein Kulturverbrechen ist und immer bleiben wird, werden wir auch in Zukunft nicht müde werden, mit besonderen Aktionen auf die faschistischen Umtriebe in Südtirol und besonders in Bozen aufmerksam zu machen.“

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